Mittwoch, 16. März 2011

Winterzwischenfrühling

Fürs Erste hat es sich ausgefrühstückt, denn ich vertrete seit einigen Wochen auf unbestimmte Zeit eine kranke Kollegin, und bin nun den ganzen Tag im Kindergarten. Zum einen ist das schön, da ich den kompletten Tagesablauf der Kinder mitbekomme und natürlich mehr verdiene. Andererseits merke ich, dass mir meine bisher sehr geschätzten freien Stunden doch fehlen. Viel schaffe ich gerade nicht nebenbei. Zumindest nicht, wenn der Abwasch sich türmt, der Kühlschrank leer ist oder andere Muss-Aktivitäten dieser Art anstehen.
Glücklicherweise kommt mir mittlerweile der Frühling etwas entgegen und lässt die Sonne länger scheinen. Da steht es sich leichter auf, und ich habe nicht schon am Spätnachmittag das Gefühl gleich ins Bett fallen zu wollen. Mehr hat das Frühlingswetter zwar noch nicht zu bieten, aber immerhin. Der Restschnee ist eigentlich nur noch eine schmutzige und spiegelglatte Eislandschaft. Und sofern es in die Plusgrade geht, darf man erneut durch Riesenpfützen und Matsche waten. Eine gute Gelegenheit, um die Gummistiefel auszupacken. Oder wie in meinem Fall, sich endlich welche anzuschaffen.
Ich verstehe auch langsam, warum in Finnland das Wetter ein so beliebtes Gesprächsthema ist. Man ist schlicht und einfach ständig damit konfrontiert, ob man es möchte oder nicht. Jeden Morgen stellt sich die wichtige Frage, was wohl die angemessenste Kleidung ist, aufs Neue. Und so regelmäßig wie hier studierte ich wohl noch nie das Außenthermometer.

Aber noch kurz zu den letzten Wochenendaktivitäten: Vor einer Woche besuchten wir das kleine, beschauliche Örtchen Hämeenlinna. Hier wurde der berühmteste finnische Komponist Jean Sibelius geboren. In sein Geburtshaus und heutiges Museum schafften wir es leider nicht. Dafür schauten wir uns die mittelalterliche Burg und das ehemalige Gefängnis an. Außerdem machten wir einen Bummel durch die  Innenstadt. Die hat für Finnland recht ungewöhnlich viele historische Steinhäuser, was gleich eine ganz andere Atmospähre verleiht. 

Hämeenlinna-Burg.

Im Gefängnismuseum.

Eine Kirche in der Innenstadt.

Und natürlich wurde "Laskiainen" (Fastnacht) gefeiert. Die Finnen tun das wie (fast) immer ohne großes Brimborium, aber mit still gehisster Flagge und traditionellem Rodeln gehen oder "Napakelkka" fahren. Der Napakelkka ist ein Holzschlitten mit einem daran befestigten, langen Balken, der widerum fixiert ist, so dass man immer im Kreis gedreht werden kann. Zufällig entdeckten wir einen kleinen Bauernhof, auf dem für Kinder ein kleiner Schneehügel zum Rodeln und ein Napakelkka aufgebaut waren. Außerdem konnte man dort seine eigens mitgebrachten Würstchen grillen oder das typische Laskiais-Essen am Kiosk bestellen: "Hernekeitto" - zu deusch Erbsensuppe - und "Laskiaspulla", ein mit Sahne und Marmelade gefülltes süßes Brötchen. Ich muss an dieser Stelle vermerken, dass ich Erbsensuppe offiziell seit einer eher unschönen Kindergartenepisode während meiner eigenen Kindheit nicht mehr anrühre. Die finnische Version mit Schinken, Zwiebeln und Senf ist aber durchaus ohne Nasezuhalten zu genießen. Wir haben auf beides in der klirrenden Kälte auf dem Hof verzichtet und dann später zu Hause alles selbst gemacht. 

Ein Napakelkka.

Finnische Erbsensuppe.

Laskiaspulla.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen

Flitterwochen

Erholen konnten wir uns wunderbar im Süden Deutschlands. Erst verweilten wir im beschaulichen Baden-Baden, und anschlie ß end verbracht...