Sonntag, 12. September 2010

Die ersten zwei Wochen

Auf der Fähre in die Ferne.

Mit der Fähre ging es vor zwei Wochen von Rostock nach Helsinki. Bepackt mit vier großen Koffern und zwei Rucksäcken hat es einiges an Energie gekostet auf das Schiff und später wieder herunter zu kommen. Ich war froh, dass Karri migekommen ist, sonst hätte ich wohl nicht viel mitnehmen können. Es fiel mir wirklich schwer mich auf das Nötigste zu beschränken.

Derzeit wohnen wir noch bei Karris Eltern, da in unserer eigenen Wohnung ein paar Käferchen ihr Unwesen treiben. Die werden demnächst zwar professionll vom Kammerjäger entfernt, aber weil das nicht ohne Chemiekeule geht, werden wir erst nach dieser Aktion mit Sack und Pack einziehen. Das Leben aus dem Koffer geht für mich also noch ein bisschen weiter.

Unser Zwischenstopp bei Leila und Pertti.

Bisher beschäftigte mich vor allem meine Aufenthaltsgenehmigung und die Registrierung bei der finnischen Sozialversicherung sowie der Einwohnermeldestelle. Zunächst musste ich dafür einen Antrag bei der örtlichen Polizei stellen. Wobei Karri und ich unsere "Avoliitto" (Lebenspartnerschaft) als Begründung für meinen Aufenthalt hier in Helsinki angegeben hatten, in der Hoffnung, dass ich als Nicht-Finnin von den Behörden offiziell als Familienmitglied anerkannt werden würde und damit gleichberechtigten Anspruch auf finnische Sozial- und Integrationsleistungen hätte. In Finnland ist dies unter Erfüllung bestimmter Kriterien möglich.
Meine Aufenthaltsgenehmigung erhielt ich zwar nach einer Woche, allerdings machte mich später die Einwohnermeldestelle darauf aufmerksam, dass die Polizei mich nicht aufgrund des von mir beantragten Beziehungsstatus aufgenommen hat, und ich deshalb nur temporär in Helsinki registriert sein darf. Mit dieser begrenzten Registrierung besitze ich nur leider keinerlei Ansprüche auf Integrationshilfen, die sowohl finanzielle Unterstützung als auch kostenfreie Finnisch-Sprachkurse beinhaltet hätten. Das war ziemlich frustrierend und hat mich sehr geärgert, vor allem da die Polizei uns das weder mitgeteilt, noch begründet hat. Es bedeutet jetzt nicht das Ende der Welt, wäre aber eine anfangs sichere Basis für mich gewesen.
Unter diesen Umständen muss ich wirklich so schnell wie möglich einen Job finden, sonst sieht es finanziell bald etwas dunkel aus. Ohne ausreichende Finnisch-Sprachkenntnisse scheint die Arbeitssuche zwar eine Nadel im Heuhaufen, aber nicht ganz hoffnungslos zu sein. In der letzten Woche hatte ich bereits ein Vorstellungsgespräch als Englischlehrerin für Gundschüler in einer "mobilen" Sprachschule. Die Arbeit hat mir zwar gut gefallen und ich wäre auch genommen worden, allerdings war mir das Gehalt entschieden zu wenig. Es hätte nicht einmal für die Miete gereicht.

Ansonsten mache ich Besorgungen, spiele hier und da die fleißige Hausfrau oder bastle und renoviere an unserer neuen Wohnung herum. Vor ein paar Tagen habe ich dem Schlafzimmer einen neuen Anstrich verpasst, und war ganz stolz auf das Ergebnis. 

Meine ersten zwei Wochen gingen schnell vorbei und mir ist, als wäre ich schon viel länger hier.

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