Freitag, 6. Dezember 2013

Durchatmen

Während der letzten Wochen war ich ständig unter Strom. Meine neue Arbeit als Vorschullehrerin ist toll, fordert aber doch um einiges mehr an Kraft und Überstunden, als meine vorherige Stelle. Und das gerade in der Kindergarten-Hochstresszeit von Herbst bis Weihnachten. Es gab kaum Tage an denen ich pünktlich von der Arbeit nach Hause bin. Immer gab es etwas vor- oder nachzubereiten. Vom Erntedankfest angefangen, zog sich die Kette der Ereignisse weiter übers Laternenfest, meine Elterngespräche bis hin zur derzeitigen Adventszeit. Und nebenher bin ich umgezogen, was mich zusätzlich wichtige Energien geraubt hat. Da wir mit den Kindern sowohl den Erntedank- als auch den 1.Adventgottesdienst vorbereiten und gestalten, ist alles immer noch etwas aufwendiger.
Am letzten Wochenende hatten wir am Freitag unsere Betriebsweihnachtsfeier, die feuchtfröhlich (wie es sich gehört) und recht spät zu Ende ging, und am Tag darauf bestritten wir einen Flohmarktstand an der Deutschen Schule. Die Deutsche Schule in Helsinki organisiert jedes Jahr einen vorweihnachtlichen Basar auf dem man wie auf einem kleinen kompakten Weihnachtsmarkt u.a. alles Mögliche an deutschen Waren kann. Es gibt zum Beispiel Adventskränze, die man nirgendwo sonst in Finnland kaufen kann. Das ist einfach keine finnische Tradition. Außerdem kann man gebrannte Mandeln, Thüriger Bratwurst oder frische, warme Brezn genießen. Es hieß also früh aufstehen, denn um 9.30 Uhr kamen die ersten Basargucker schon vorbei. Das Wetter war frostig und mit Sonnenschein wie gemacht für einen Weihnachtsbasar, allerdings war ich nach getaner Arbeit nur noch reif für das Sofa.
Am Sonntag fand dann der 1.Adventsgottesdienst in der Deutschen Kirche statt, was wieder bedeutete früh aus den Federn raus zu müssen. Danach kam mir selbst der wieder etwas normalisierte Alltag unglaublich anstrengend vor, und ich glaube, meinen Kollegen ging es ähnlich. Und das Verhältnis von völlig geschafften Erwachsenen und besonders kribbeligen Kindern verträgt sich meistens nicht so gut. Aber das hat die Vorweihnachtszeit eben so an sich.

Gerade sitze ich in der Küche, genieße die Ruhe, schaue aus dem Fenster und sehe viele, viele Schneeflöckchen vom Himmel fallen. In diesem Jahr ist der Schnee generell ganz schön spät dran. Und leider ist es auch diesmal noch zu warm, so dass der Schnee keine weißen Stadtdächer für mich zaubert, sondern lediglich meinen auditiven Sinn verwirrt. Zeitgleich zum Schneefall tropft es nämlich lautstark von den Dächern.

Für heute ist nicht viel geplant. Vor dem Fernseher mit Keksen und Tee hocken, mal raus Spazieren gehen, was Nettes kochen. Und vielleicht abends zum Dom gehen. Dort wird der heutige Nationalfeiertag Finnlands gefeiert und alle Finnen werden natürlich innbrünstig die Nationalhymne trällern. Das mag ich, denn es ist so schön bewegend und so ganz undeutsch.

Der Blick aus dem Küchenfenster.

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