Montag, 12. Juni 2017

Trübe Tage

Dieser Sommer meint es nicht besonders gut mit uns. Meistens ist es kühl und es regnet. Die sporadischen Schneephasen im Mai sollten wir dennoch hoffentlich überstanden haben. Helsinki ist in dieser Hinsicht nicht gerade das, was man sich nach monatelanger feuchtkalt-dunkler Ewigkeit wünscht. Und besonders an diesen Tagen wiegen die Dinge, die nicht so sind, wie ich sie gerne hätte, noch schwerer auf mir als sonst. Trübe Tage eben.


Seit dem Beginn dieses Kindergarten- und Vorschuljahres im August 2017 gab es personell einschneidende Veränderungen. Eine neue junge Kollegin am Vormittag sowie ein komplett neu besetztes Nachmittagsteam wurden eingestellt, und mussten anfangs umfassend bei der Einarbeitung unterstützt werden. Dann war unsere Vorschullehrerin gezwungen wegen Komplikationen in der Schwangerschaft früher als geplant in den Mutterschutz zu gehen, was wochenlanges Irgendwie-Überbrücken bedeutete bis wir endlich eine Ersatzkraft fanden. Meine Vorschulgruppe hatte es ebenfalls in sich. Fast alle elf Kinder benötigten eine überaus intensive Förderung in völlig unterschiedlichen Bereichen, was sich für mich alleine als kaum schaffbar herausstellte. Darüber hinaus forderte mich der Kontakt und die Zusammenarbeit mit einigen Eltern mindestens ebenso stark. Das alles hieß extra Arbeit und unzählige Überstunden. Hinzu kam, dass ein neuer Pastor sein Amt in der Gemeinde bezog, und viele Balange des Kindergartens auf recht radikale Art in Angriff nahm. Als mein übergeordeter Chef hat er neben einem großen Einfluss auf das Geschen im Kindergarten schlicht und einfach das letzte Wort, wenn es sich um wichtige Entscheidungen handelt. Unter anderem ging es da um meine seit mittlerweile mehreren Jahren laufende Berufsanerkennung als Erzieherin in Finnland, die ich nun definitiv nicht bekommen werde. Das ist ein echtes Problem, denn natürlich verlangt das Finnische Sozialamt anerkannte Erzieher in hiesigen Kindergärten und kann eine Einrichtung mit zu wenig anerkannten Angestellten schließen. Da keine meiner Kolleginnen den Erzieherberuf in Finnland (wohlgemerkt) studiert hat, sind wir auf die Anerkennung unserer Ausbildung angewiesen. Bei den in Deutschland staatlich anerkannten Erziehern funktioniert das relativ gut. Bei mir verhält es sich etwas anders, da ich "nur" Dipom-Heilpädagogin mit sieben Jahren Berufserfahrung in Krippe, Kindergarten und Vorschule bin, was dem Finnischen Amt für Berufsanerkennungen anscheindend nicht ausreicht. Ich könnte mit meinem Abschluss nicht einmal als Kinderpflegerin anerkannt werden, was ehrlich gesagt schon fast lächerlich ist. Und ich verstehe absolut nicht, warum es nicht irgendwie möglich ist z.B. durch eine Prüfung unter Beweis stellen zu können, dass ich meinen Job gut mache. Denn das tue ich. Nichts desto trotz bin ich damit ein Risiko für meinen Arbeitgeber und könnte theoretisch jederzeit entlassen werden. Alles ziemlich frustrierend. Mal wieder. Und langsam beschleicht mich das dumpfe Gefühl, dass mich die Finnischen Behörden nicht sonderlich mögen. Das nicht ernsthaft persönlich zu nehmen, gelingt mir nach diversen negativen Erfahrungen nur selten.
Kurzum, obwohl es bisher kein Arbeitsjahr ohne einschneidende Veränderungen und enorme Herausforderungen gab, und ich meinen Beruf im Grunde sehr gerne ausübe, fühle ich mich derzeit innerlich so ausgebrannt, dass ich gar nicht mehr weiß, ob ich zu voll oder zu leer bin um ich selbst zu sein. Mein wunderbarer langer Urlaub in allen Ehren, wenn jedoch ungefähr die Hälfte meiner Arbeitsstunden außerhalb meiner Arbeitszeit liegen und auch sonst nur Gegenwind bläßt, überrascht das nicht wirklich. Es tut mir leid, dass ich so herum nörgele, aber ich mag gerade einfach nicht mehr.

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