Mittwoch, 6. Oktober 2010

Busfahren

Ja, man mag es kaum glauben, aber Busfahren ist in Finnland eine wahre Kunst. Und ein ewiges Ärgernis. Denn den Bus überhaupt erst einmal anzuhalten, ist tatsächlich harte Arbeit. Das läuft nicht so entspannt ab wie in Deutschland, wo der Bus an jeder Haltestelle anhält, an der jemand steht und wartet. Nein. Hier in Finnland muss man dem Busfahrer mit möglichst auffälligen Winkzeichen zu verstehen geben, dass man mitfahren möchte. Diese Lektion lernte ich im letzten Winter auf etwas unschöne Weise, als ich das erste Mal alleine mit dem Bus von Vantaa nach Helsinki fahren wollte: Fröstelnd stand ich etwas zu früh an der Haltestelle, und als der Bus endlich um die Ecke kam, freute ich mich schon auf mein warmes Plätzchen... Doch dann fuhr der Busfahrer einfach an mir vorbei, weil ich Pappnase vergessen hatte, dass man ihm Handzeichen geben muss! Im Winter ist das nicht lustig. Noch schwieriger ist es, wenn mehrere Haltestellen hintereinander angeordnet sind, so dass der anfahrende Bus, auf den man wartet, unter Umständen nur mit Mühe zu sehen ist. Da muss man wirklich aufpassen, dass man den Bus nicht verpasst und der Busfahrer einen auch bemerkt. Außerdem passiert es relativ häufig, dass die Busse zu früh abfahren. Wenn man knapp dran ist und nicht direkt an der Haltestelle steht und winkt, fährt der Bus definitiv vorbei. Es sei denn, man hat Glück und jemand anderes hält den Bus an, so dass sich das Zum-Bus-Sprinten noch lohnt. Ha, und es ist auch keine Seltenheit, dass die Busse massiv zu spät kommen. Hat man es allen Widrigkeiten zum Trotz in den Bus geschafft, ist die große Frage, wo man denn aussteigt - zumindest, wenn man sich nicht so gut auskennt wie ich zum Beispiel. Die Haltestellen werden nämlich weder im Bus angezeigt, noch angesagt. Ich versuche mich meistens an bestimmten Gebäuden zu orientieren, was nicht immer so gut klappt. Gewöhnungsbedürftig ist auch der Fahrstil der Busfaher, die über mehr als einen Bordstein heizen und gelb-rote Ampeln nicht wahrzunehmen scheinen. Aber da hilft wohl nur Vertrauen. Und von Unfällen habe ich bisher überraschenderweise wenig gehört. Ein absolutes Plus ist dem Busfahren allerdings zugute zu halten: das sehr gut ausgebaute Busverkehrsnetz. Man erreicht fast jeden noch so abgelegenen Winkel in Helsinki und Umgebung. Ohne Auto ein Goldschatz.

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