Dienstag, 26. Oktober 2010

Es ist nicht alles Gold, was glänzt. Aber etwas glänzt es doch.

Die ersten beiden Tage meiner Einarbeitungswoche im Spielhaus Kerava sind schon vorbei und soweit gefällt es mir ganz gut. Vieles erscheint mir noch etwas chaotisch, was wahrscheinlich daran liegt, dass die meisten Dinge Neuland für mich sind. Aber das wird schon werden.

Nur die Bürokratie lässt wieder unangenehm von sich grüßen. Mit dem Job in der Tasche dachte ich, dass nun endlich meine temporäre Aufenthaltserlaubnis zu einer permanenten wird. Wird sie aber nicht. Dafür brauche ich einen Arbeitsvertrag für mindestens ein Jahr. Und bei mir sind es leider nur etwas über neun Monate. Es ist momentan allerdings nicht mehr ganz so wichtig. Durch die Arbeit im Kindergarten verdiene ich mein eigenes Geld und einen Sprachkurs mache ich jetzt hoffentlich mit Büchern aus der Bibliothek und Alltagserfahrungen wett. Es gibt darüber hinaus auch Abendkurse. Die Integration muss ich wohl selbst in die Hand nehmen.

Montag, 18. Oktober 2010

Klimpertasten statt Flimmerkasten

Wir amüsierten uns neulich ganz köstlich mit einem alten wieder gefundenen Keybord. Eigentlich brauchen wir keinen Fernseher.


Freitag, 15. Oktober 2010

Vier neue Wände

Seit zwei Wochen bewohnen wir nun endlich unsere Wohnung im Helsinkistadtteil Malmi. Nicht das glamuröseste Viertel aller Zeiten, aber in Ordnung. Im naheglegenen Einkaufszentrum gibt es sogar einen Lidl. Mehr zu Hause geht wirklich nicht. Was ich allerdings sehr vermisse sind die deutschen Bäckereien. Hier scheint es nicht so richtig welche zu geben. Und obwohl das Brot aus dem Supermarkt nicht schlecht schmeckt und sogar oft frisch gebacken ist, kann man das nicht vergleichen.

Unsere "Studentenbude" in Malmi.

Einkaufszentrum, Markt und Bahnhof vor der 
Haustür.

Mittwoch, 13. Oktober 2010

Ich hab nen Job!

Ahh, ich mache innerlich gerade Luftsprünge durch die Wohnung, denn ich habe einen Job! Die Zusage ist vor wenigen Minuten in mein Postfach geflattert. Ab Ende Oktober werde ich also halbtags in einem deutschen Kindergarten in Kerava arbeiten und dort zusammen mit vier weiteren Mitarbeiterinnen eine Gruppe von ein- bis dreijährigen betreuen. Der Arbeitsvertrag geht erstmal nur bis Ende Juli nächsten Jahres. Aber immerhin.

Dienstag, 12. Oktober 2010

Sonntag

Ganz spontan besichtigten wir das "Ilmailumuseo" (Luftfahrtmuseum) in Vantaa. Flugzeuge begeistern mich jetzt eher weniger und ich bin auch nicht unbedingt ein Wunder-der-Technik-Freak, und dennoch war es nicht uninteressant. Beispielsweise wusste ich gar nicht, dass bis 1945 hellblaue Hakenkreuze auf die finnischen Armee-Flugzeuge gepinselt wurden. Nicht wegen des Nationalsozialismus, sondern als Glückssymbol. Ironisch ist dabei allerdings, dass das Kreuz vom Schweden Carl Gustaf von Rosen eingeführt wurde, der verwandtschaftliche Beziehungen zu Hermann Göring hatte. Während des II.Weltkriegs behielten die Finnen das Symbol bei. Nach 1945 wurde es durch ein anderes ersetzt. Neu war mir auch, dass es Flugzeuge gibt, die keine Räder, sondern Skier haben, um besser im Schnee starten und landen zu können. Ist ja klar, dass mir das zum ersten Mal in Finnland begegnet.


Übrigens war heute einer der unzähligen Flaggentage Finnlands, an denen überall finnische Flaggen gehisst werden. Heute gedachte man z.B. dem Geburtstag von Aleksi Kivi - dem finnischen Nationalschriftsteller schlechthin, der als Erster überhaupt literarische Texte nicht auf Schwedisch, sondern Finnisch verfasst hat. Vielleicht ist das nicht eins zu eins vergleichbar, aber in Deutschland würde das keiner für Goethe, Schiller oder Thomas Mann machen.


Montag, 11. Oktober 2010

On The Rocks

Karris Band "Tacere" in der Bar "On The Rocks" in Helsinki.

Soundcheck.

Backstage.


Street Art Helsinki



Geburtstagswochenende

Meinen Geburtstag verbrachte ich ganz entspannt zusammen mit Karri. Da wir am Vorabend mit Freunden reinfeierten, haben wir zunächst Mal lange ausgeschlafen. Später waren wir dann auf einem ziemlich großen Bauernmarkt in Vantaa. Dort gab es viele typisch finnische Leckereien zu probieren. Nach einem "Lettu" (Pfannkuchen) mit Erdbeermarmelade und Schlagsahne waren wir allerdings so pappsatt, so dass wir nur noch ein paar Sachen zum Mitnehmen kauften. Darunter "Karjalanpiirakka" (Karelische Piroggen), die in einem Bus gebacken wurden, und "Lakritsi" (Lakritz).
Karelische Piroggen bestehen übrigens aus einer Roggenmehl-Teighülle, die mit leicht gesalzenem Milchreis gefüllt ist. Klingt komisch, schmeckt aber erstaunlich gut. Das Gebäck kommt ursprünglich aus "Karjala" (Finnisch-Karelien), ist allerdings in ganz Finnland beliebt. Am besten isst man die Piroggen warm und natürlich mit etwas Butter. Aber das wirklich Kuriose an der Karjalanpiirakka ist, dass es mit fast jedem Belag schmeckt. Und ich habe da so Einiges ausprobiert.

Mh, Pfanankuchen.

Karelische Piroggen.

Lakritz.

Am nächsten Tag öffnete in Helsinki noch ein anderer Markt seine Pforten: der alljährliche "Silakkamarkkinat" (Heringsmarkt). Auf dem Weg dorthin gingen wir zufällig an der Kunstausstellung "United Buddy Bears – The Art of Tolerance" am Dom vorbei. Die Bären selbst fand ich jetzt persönlich nicht so atemberaubend, aber sie erinnerten mich sehr an Berlin. 
Auf dem Markt wurde an kleinen Buden selbstverständlich Hering in allen Variationen angeboten. Hering in Senfsoße, Hering in Knoblauchsoße, salziger Hering etc. Außerdem gab es das sogenannte "Saaristoleipä" zu kaufen, das aus der finnisch-schwedischen Inselregion Åland stammt. Neben dem Markt konnte man im Hafen alte Holzsegelschiffe und ein skurriles Schiffscafé besichtigen.

Kunst vor dem Dom.

Ein etwas verrückt ausstaffiertes Schiffscafé.

Heringsmarkt.

Am Kauppatori.

Mittwoch, 6. Oktober 2010

Busfahren

Ja, man mag es kaum glauben, aber Busfahren ist in Finnland eine wahre Kunst. Und ein ewiges Ärgernis. Denn den Bus überhaupt erst einmal anzuhalten, ist tatsächlich harte Arbeit. Das läuft nicht so entspannt ab wie in Deutschland, wo der Bus an jeder Haltestelle anhält, an der jemand steht und wartet. Nein. Hier in Finnland muss man dem Busfahrer mit möglichst auffälligen Winkzeichen zu verstehen geben, dass man mitfahren möchte. Diese Lektion lernte ich im letzten Winter auf etwas unschöne Weise, als ich das erste Mal alleine mit dem Bus von Vantaa nach Helsinki fahren wollte: Fröstelnd stand ich etwas zu früh an der Haltestelle, und als der Bus endlich um die Ecke kam, freute ich mich schon auf mein warmes Plätzchen... Doch dann fuhr der Busfahrer einfach an mir vorbei, weil ich Pappnase vergessen hatte, dass man ihm Handzeichen geben muss! Im Winter ist das nicht lustig. Noch schwieriger ist es, wenn mehrere Haltestellen hintereinander angeordnet sind, so dass der anfahrende Bus, auf den man wartet, unter Umständen nur mit Mühe zu sehen ist. Da muss man wirklich aufpassen, dass man den Bus nicht verpasst und der Busfahrer einen auch bemerkt. Außerdem passiert es relativ häufig, dass die Busse zu früh abfahren. Wenn man knapp dran ist und nicht direkt an der Haltestelle steht und winkt, fährt der Bus definitiv vorbei. Es sei denn, man hat Glück und jemand anderes hält den Bus an, so dass sich das Zum-Bus-Sprinten noch lohnt. Ha, und es ist auch keine Seltenheit, dass die Busse massiv zu spät kommen. Hat man es allen Widrigkeiten zum Trotz in den Bus geschafft, ist die große Frage, wo man denn aussteigt - zumindest, wenn man sich nicht so gut auskennt wie ich zum Beispiel. Die Haltestellen werden nämlich weder im Bus angezeigt, noch angesagt. Ich versuche mich meistens an bestimmten Gebäuden zu orientieren, was nicht immer so gut klappt. Gewöhnungsbedürftig ist auch der Fahrstil der Busfaher, die über mehr als einen Bordstein heizen und gelb-rote Ampeln nicht wahrzunehmen scheinen. Aber da hilft wohl nur Vertrauen. Und von Unfällen habe ich bisher überraschenderweise wenig gehört. Ein absolutes Plus ist dem Busfahren allerdings zugute zu halten: das sehr gut ausgebaute Busverkehrsnetz. Man erreicht fast jeden noch so abgelegenen Winkel in Helsinki und Umgebung. Ohne Auto ein Goldschatz.

Flitterwochen

Erholen konnten wir uns wunderbar im Süden Deutschlands. Erst verweilten wir im beschaulichen Baden-Baden, und anschlie ß end verbracht...