Sonntag, 18. Juni 2017

Ganzsein

Alles fing vor einigen Wochen mit einem schrecklichen Ohrwurm an, den ich tagelang nicht los wurde. Nun denn, dachte ich, der alte Trick mit dem Liedanhören, kostet ja nichts. Vorerst musste ich jedoch herausfinden, wie die Interpretin hieß, da ich den Song vor Jahren das letzte Mal abspielte und mich kaum noch an den Namen erinnerte. Gesucht, gefunden. Ein Hoch auf das Internet. Somit konnte mein Ohrwurm einigermaßen beseitigt werden. Kurz darauf begann ich in neuere Kreationen der Künstlerin hineinzuhören und stieß auf etwas absolut Wunderbares. Als ich "Tomorrow never knows" entdeckte (Ich lernte übrigens erst Wochen später, dass es sich hierbei um ein Cover der Beatles handelte, und ich das Lied sogar kannte!) und mir mindestens zwanzig Mal in Dauerschleife anhören musste, fing es mitten im schönsten Sonnenschein vor dem Fenster an zu regnen. Der Himmel färbte sich unbeschreiblich schön, ein riesiger Regenbogen zeichnete sich über den Häusern ab, und plötzlich fiel alles von mir ab. Der ewige Druck, meine unendliche Unsicherheit, alle negativen Gedanken. Das ganze verdammte letzte Jahr. Und völlig losgelöst von meinem alltgäglichen Sein, konnte ich seit Langem einmal wieder etwas Vertrauen in mich und die Welt schöpfen. Nur für einen Moment, doch dieser war wirklich da.

Shusheela Raman: Tomorrow never knows.

Donnerstag, 15. Juni 2017

100 Jahre Finnland

 
 Finnair Airbus 350 XBW.

 Red Arrows aus Großbritannien. 

Das unabhängige Finnland feiert in diesem Jahr seinen 100. Geburtstag. Grund genug, um einiges an speziellen Ausstellungen und Veranstaltungen aufzufahren. Wir sahen uns im Februar bereits die Ausstellung "Come to  Finland!" an, welche Finnische Reiseposter im Wandel der Zeit in den Fokus nahm. Letzte Woche wurde es dann schon etwas aufregender mit der Flugschau "Kaivopuiston lentonäytös". Zunächst sind wir mit einem Picknick unterm Arm in den Kaivopark und schauten vor Ort dem extra tief fliegendem Airbus zu, wie er majästetisch seine Runden über den 130.000 Besucherköpfen drehte. Dann wurde es uns zu voll und wir beschlossen den Rest der Show gemütlich vom Wohnzimmerfenster aus mitzuverfolgen. Es schien beinahe unmöglich von dem ganzen Spektakel Fotos zu machen, da die meisten Flugzeuge so schnell flogen, dass meine Kamera teilweise nicht mithalten konnte.

 Jorma Suhonen, 1939.

Igor Ahvenlahti, 1950er.

 Rolf Christianson, 1950 & Osmo K. Oksanen, 1960er.

Montag, 12. Juni 2017

Trübe Tage

Dieser Sommer meint es nicht besonders gut mit uns. Meistens ist es kühl und es regnet. Die sporadischen Schneephasen im Mai sollten wir dennoch hoffentlich überstanden haben. Helsinki ist in dieser Hinsicht nicht gerade das, was man sich nach monatelanger feuchtkalt-dunkler Ewigkeit wünscht. Und besonders an diesen Tagen wiegen die Dinge, die nicht so sind, wie ich sie gerne hätte, noch schwerer auf mir als sonst. Trübe Tage eben.


Seit dem Beginn dieses Kindergarten- und Vorschuljahres im August 2017 gab es personell einschneidende Veränderungen. Eine neue junge Kollegin am Vormittag sowie ein komplett neu besetztes Nachmittagsteam wurden eingestellt, und mussten anfangs umfassend bei der Einarbeitung unterstützt werden. Dann war unsere Vorschullehrerin gezwungen wegen Komplikationen in der Schwangerschaft früher als geplant in den Mutterschutz zu gehen, was wochenlanges Irgendwie-Überbrücken bedeutete bis wir endlich eine Ersatzkraft fanden. Meine Vorschulgruppe hatte es ebenfalls in sich. Fast alle elf Kinder benötigten eine überaus intensive Förderung in völlig unterschiedlichen Bereichen, was sich für mich alleine als kaum schaffbar herausstellte. Darüber hinaus forderte mich der Kontakt und die Zusammenarbeit mit einigen Eltern mindestens ebenso stark. Das alles hieß extra Arbeit und unzählige Überstunden. Hinzu kam, dass ein neuer Pastor sein Amt in der Gemeinde bezog, und viele Balange des Kindergartens auf recht radikale Art in Angriff nahm. Als mein übergeordeter Chef hat er neben einem großen Einfluss auf das Geschen im Kindergarten schlicht und einfach das letzte Wort, wenn es sich um wichtige Entscheidungen handelt. Unter anderem ging es da um meine seit mittlerweile mehreren Jahren laufende Berufsanerkennung als Erzieherin in Finnland, die ich nun definitiv nicht bekommen werde. Das ist ein echtes Problem, denn natürlich verlangt das Finnische Sozialamt anerkannte Erzieher in hiesigen Kindergärten und kann eine Einrichtung mit zu wenig anerkannten Angestellten schließen. Da keine meiner Kolleginnen den Erzieherberuf in Finnland (wohlgemerkt) studiert hat, sind wir auf die Anerkennung unserer Ausbildung angewiesen. Bei den in Deutschland staatlich anerkannten Erziehern funktioniert das relativ gut. Bei mir verhält es sich etwas anders, da ich "nur" Dipom-Heilpädagogin mit sieben Jahren Berufserfahrung in Krippe, Kindergarten und Vorschule bin, was dem Finnischen Amt für Berufsanerkennungen anscheindend nicht ausreicht. Ich könnte mit meinem Abschluss nicht einmal als Kinderpflegerin anerkannt werden, was ehrlich gesagt schon fast lächerlich ist. Und ich verstehe absolut nicht, warum es nicht irgendwie möglich ist z.B. durch eine Prüfung unter Beweis stellen zu können, dass ich meinen Job gut mache. Denn das tue ich. Nichts desto trotz bin ich damit ein Risiko für meinen Arbeitgeber und könnte theoretisch jederzeit entlassen werden. Alles ziemlich frustrierend. Mal wieder. Und langsam beschleicht mich das dumpfe Gefühl, dass mich die Finnischen Behörden nicht sonderlich mögen. Das nicht ernsthaft persönlich zu nehmen, gelingt mir nach diversen negativen Erfahrungen nur selten.
Kurzum, obwohl es bisher kein Arbeitsjahr ohne einschneidende Veränderungen und enorme Herausforderungen gab, und ich meinen Beruf im Grunde sehr gerne ausübe, fühle ich mich derzeit innerlich so ausgebrannt, dass ich gar nicht mehr weiß, ob ich zu voll oder zu leer bin um ich selbst zu sein. Mein wunderbarer langer Urlaub in allen Ehren, wenn jedoch ungefähr die Hälfte meiner Arbeitsstunden außerhalb meiner Arbeitszeit liegen und auch sonst nur Gegenwind bläßt, überrascht das nicht wirklich. Es tut mir leid, dass ich so herum nörgele, aber ich mag gerade einfach nicht mehr.

Dienstag, 6. Juni 2017

Im Kleinboot in Amsterdam

Vor einigen Wochen machten wir einen recht spontanen Kurztrip nach Amsterdam. Ausgerechnet genau dann als das Wetter in Helslinki endlich einmal frühligshafte Züge annahm. Mit einem Sonne-Wolken-Regen-Mix lässt sich Amsterdam allerdings wunderbar aushalten. Witzigerweise waren Karri und ich beide bereits mehrmals in Amsterdam, jedoch nie zusammen. Als kürzlich ein Freund von uns dorthin gezogen ist, und ein gemeinsames Treffen längst überfällig war, dachten wir, dass der Zeitpunkt nicht hätte besser sein können. So tingelten wir zusammen durch die beschaulichen Straßen der Innenstadt, entdeckten die ein oder andere Kuriosität und hatten natürlich eine Menge zu erzählen. Höhepunkt der Reise ist und bleibt die Bootsfahrt über die Amstel sowie durch die Kanäle Amsterdams, was sich mitunter als abenteuerlich, aber dann doch viel entspannter gestaltete als ich vorerst vermutete. 

Auf der Amstel.
 Kapitän Gerrit.

Wieder an Land.

 Lionel Galerie.

 Himmlisches Frühstück: Eier Benedict.

Dienstag, 23. Mai 2017

Nachwuchs

Anfang des Jahres bin ich stolze Tante geworden. Mein Neffe musste fast zwei ganze Monate ohne Namen auskommen, denn in vielen Finnischen Familien ist es Brauch erst bei der Taufe zu enthüllen, wie der Nachwuchs heisst. Karri und ich sind sogar Wäinö Juhanis Taufpaten, und während sich Karri bei der Taufzeremonie der Herausforderung des Babyhaltens stellte, war es mir vergönnt einen Text auf Finnisch vorzutragen. Irgendwie waren diese Aufgaben etwas unfair verteilt, konnten aber mit Bravour gemeistert werden. Mittlerweile ist der kleine Kerl ordentlich gewachsen und begeistert uns mit seinem sonnigen Gemüt. 


Mittwoch, 7. Dezember 2016

Und wieder Rom


Sonne, Licht und Wärme sind spätestens ab Dezember gewohnte Mangelware. Diesen alljährlich wiederkehrenden, für mich eher schweren Tagen durch einen (erneuten) Besuch in Rom zu entkommen, genoss ich daher in vollen Zügen. Karri verbrachte einige Tage von Berufs wegen in der Stadt. Ich reiste erst anschließend für das Wochenende hinterher. Artischockenzeit. Angenehm warme Herbstluft mitten im Winter. Wir hatten Glück, denn es regnete nicht einen Tropfen während unseres Aufenthaltes. Und es war das erste Mal Rom ohne wahnsinnige Hitze. Wir hatten eine kleine Wohnung in Trastevere gemietet. Wir gingen Spazieren, Sonne tanken und gut Essen. Im Prinzip taten wir nichts von Bedeutung, und doch schien es für den Moment das wichtigste der Welt zu sein.



Artischockenzeit. 

Ponte Garibaldi.

Armando Al Pantheon.

Monti. 

 Pasta alla Gricia im Roscioli Deli.

Blick auf Rom vom Villa Borghese Park aus.  

Chicoréesalat und Ricottatorte im Roma Sparita. 

 Auf dem Gianicolo-Hügel.

Montag, 7. November 2016

Von Herbstresten und Kopenhagen



 Janine und Christin zu Besuch bei uns.

Herbstspaziergang am Vantaafluss.

 Wunderbares dänisches Restaurant Kronburg.

 Dänisches Bierhaus.

 Kødbyens Fiskebar.

 Hafenluft.

Mittwoch, 17. August 2016

Bella Italia



Schlemmen im La Baita.
Die zwei schiefen Türme Garisenda und Asinelli.
Beschauliches Bolgna. 

Bei Dario Cecchini in Panzano in Chianti.
Hochzeit von Freunden. Castelvecchi in Chianti.

 Trastevere.
 Im Pantheon.
Bar Calisto in Trastevere.
Campo De Fiori.

Flitterwochen

Erholen konnten wir uns wunderbar im Süden Deutschlands. Erst verweilten wir im beschaulichen Baden-Baden, und anschlie ß end verbracht...