Samstag, 1. März 2014

Singapur & Penang


Das erste was ich von Singapur aus dem Flugzeug aus sehen konnte: Frachtschiffe. Jede Menge Frachtschiffe. Wenn man bedenkt, dass der Stadtstaat fast ausschließlich alles von Außerhalb importieren muss, nicht allzu verwunderlich. Für mich war es trotzdem irgendwie ein besonderer Anblick. Das nächste einprägende Erlebnis: Changi Airport. Sortiert, entspannt und fast schon wohnlich. Wir hielten uns allerdings nicht zu lange dort auf, sondern reihten uns recht schnell in die Taxiwarteschlange ein. Nach einer Nacht im Flugzeug haben eine erfrischende Dusche und saubere Kleidung definitiv Priorität.
Am ersten Abend zogen wir dann etwas ziellos durch die Stadt, um uns einfach berieseln zu lassen. Wir tingelten durch Chinatown und Clarke Quay. Und unterwegs machten wir immer mal wieder in verschiedenen Hawker Centern Halt, in denen man zu günstigen Preisen an kleinen aneinandergereihten Büdchen so ziemlich alles probieren kann, was Singapur an Esskultur zu bieten hat. Das geht von Malaysisch und Chinesisch bis hin zu Indischer Küche oder eben die Singapur-Variante diverser Originalrezepte. Essen hat generell einen hohen Stellenwert in Singapur. So gern wie man beispielweise in Finnland über das Wetter redet, wird dort über das gestrige Mittagessen disskutiert. Begleitet hat uns in den ersten Tagen übrigens Juho, ein Freund von uns aus Helsinki. Zufälligerweise war er zur gleichen Zeit im Zuge einer Arbeitsreise in der Stadt.
Singapur kam uns sehr unanstrengend entgegen. Auf Englisch über die Runden zu kommen, ist kein Problem. Es ist sauber, sicher und übersichtlich. Wir hatten zu keiner Zeit das Gefühl von den eigenen Eindrücken überrannt zu werden, und gleichzeitig schien es nie langweilig zu werden. Eine gute Mischung aus Vertrautem und Unbekanntem. Und nicht zuletzt sieht dieser kleine Stadtstaat einfach schön und beeindruckend aus. Ich stehe sonst eher nicht auf moderne Hochhäuseroptik. Doch in Singapur gehört es irgendwie ganz natürlich dazu. Hinzu kommt, dass es ganz unerwartet viele Grünoasen in der Stadt gibt. Und dann ist da noch das Meer direkt vor der Haustür.

Blick vom Hotelbalkon
 Überreste der Neujahrsfeierlichkeiten in Chinatown
 Leere Teller im Hawker Center
Erfrischend: Kokosnüsse schlürfen
 Pass bloß auf!
Orchard Road
Austern und Martini Happy Hour in Tanuki Raw

Die günstige Lage Singapurs hat uns dazu verleitet, einen kurzen Abstecher auf die malaysische Insel Penang zu machen. Ein Kontrastprogramm wie erwartet: Georgetown, die Hauptstadt der Insel, ist schillernd, laut, dreckig und unpoliert. Die Menge an Autoabgasen, die wir beim Laufen durch die Stadt insgesamt eingeatmet haben, möchte ich lieber nicht in Zahlen vor mir sehen. Diverse Autostaus sind an der Tagesordnung in Georgetown und im Zentrum gibt es öfter als einem lieb ist keine Gehwege, so dass man meistens unmittelbar neben dem Verkehr entlang geht. Wir brauchten mehrere Tage, um damit zurecht zu kommen. Und dennoch hat Penang seinen ganz eigenen Charme. 
Den stärksten Gegensatz zur Stadt stellte jedoch nicht Singapur dar, sondern unser Hotel vor Ort. Das Eastern & Oriental ist einfach unglaublich. Jeden Tag, wenn wir von unseren Ausflügen zurück durch das Eingangstor kamen, betraten wir sprichwörtlich eine andere Welt. Ganz im kolonialen Stil ist nämlich nicht nur die äußere Erscheinung des Hotels, sondern auch der Service sowie die gesamte Atmosphäre. Eigentlich passen nur die neuzeitlichen Gäste nicht ganz ins Bild. Unser Zimmer war ein Traum, mit einem Balkon zum Meer hinaus. Das Beste war allerdings die unprätentiöse Art und Weise des Hotels. Man kam sich nie falsch gekleidet vor oder als würde man nicht dort hin passen. Es war einfach perfekt.
Eine ganz andere Art von Rettungsinsel vor dem Trubel der Stadt war das Hawker Center Red Garden. Hier konnten wir uns jeden Abend einfach in die knallroten Plastikstühle fallen lassen, um den letzten Snack des Tages genießen zu können, während im Hintergrund malaysische Livemusik trällerte. 

Unser Hotelzimmer
Auch mit Blick aufs Meer: der Pool

Getrockneter Fisch
 Unschlagbar gut: Fischkopf-Curry
Eingang ins kleine Essparadies Red Garden

 Eine kleine Überraschung: Belgisches Café Chez Nous
Mmhhh, Macarons!

Straßenkunst in Georgetown

Kleine Tempel vor der Haustür

Größter buddhistischer Tempel in Südostasien: Kek Lok Si

 Teluk Bahang Schmetterlingsfarm
 Endlich probiert: Durian

  Festung von Georgetown

 Lebuh Sungai - Altes chinesisches Viertel

Zurück in Singapur.

 Nationalgericht: Hünchen und Reis

Marina Bay

 Indisch an jeder Ecke: Roti Canai

Flohmarkt

 Hawker Centre im Chinesischen Viertel: 
Nudelsuppe mit fritiertem Hai

 Chinesisches Heimatmuseum

 Die letzte (österreichische) Bratwurst vor dem Äquator!

Freitag, 6. Dezember 2013

Durchatmen

Während der letzten Wochen war ich ständig unter Strom. Meine neue Arbeit als Vorschullehrerin ist toll, fordert aber doch um einiges mehr an Kraft und Überstunden, als meine vorherige Stelle. Und das gerade in der Kindergarten-Hochstresszeit von Herbst bis Weihnachten. Es gab kaum Tage an denen ich pünktlich von der Arbeit nach Hause bin. Immer gab es etwas vor- oder nachzubereiten. Vom Erntedankfest angefangen, zog sich die Kette der Ereignisse weiter übers Laternenfest, meine Elterngespräche bis hin zur derzeitigen Adventszeit. Und nebenher bin ich umgezogen, was mich zusätzlich wichtige Energien geraubt hat. Da wir mit den Kindern sowohl den Erntedank- als auch den 1.Adventgottesdienst vorbereiten und gestalten, ist alles immer noch etwas aufwendiger.
Am letzten Wochenende hatten wir am Freitag unsere Betriebsweihnachtsfeier, die feuchtfröhlich (wie es sich gehört) und recht spät zu Ende ging, und am Tag darauf bestritten wir einen Flohmarktstand an der Deutschen Schule. Die Deutsche Schule in Helsinki organisiert jedes Jahr einen vorweihnachtlichen Basar auf dem man wie auf einem kleinen kompakten Weihnachtsmarkt u.a. alles Mögliche an deutschen Waren kann. Es gibt zum Beispiel Adventskränze, die man nirgendwo sonst in Finnland kaufen kann. Das ist einfach keine finnische Tradition. Außerdem kann man gebrannte Mandeln, Thüriger Bratwurst oder frische, warme Brezn genießen. Es hieß also früh aufstehen, denn um 9.30 Uhr kamen die ersten Basargucker schon vorbei. Das Wetter war frostig und mit Sonnenschein wie gemacht für einen Weihnachtsbasar, allerdings war ich nach getaner Arbeit nur noch reif für das Sofa.
Am Sonntag fand dann der 1.Adventsgottesdienst in der Deutschen Kirche statt, was wieder bedeutete früh aus den Federn raus zu müssen. Danach kam mir selbst der wieder etwas normalisierte Alltag unglaublich anstrengend vor, und ich glaube, meinen Kollegen ging es ähnlich. Und das Verhältnis von völlig geschafften Erwachsenen und besonders kribbeligen Kindern verträgt sich meistens nicht so gut. Aber das hat die Vorweihnachtszeit eben so an sich.

Gerade sitze ich in der Küche, genieße die Ruhe, schaue aus dem Fenster und sehe viele, viele Schneeflöckchen vom Himmel fallen. In diesem Jahr ist der Schnee generell ganz schön spät dran. Und leider ist es auch diesmal noch zu warm, so dass der Schnee keine weißen Stadtdächer für mich zaubert, sondern lediglich meinen auditiven Sinn verwirrt. Zeitgleich zum Schneefall tropft es nämlich lautstark von den Dächern.

Für heute ist nicht viel geplant. Vor dem Fernseher mit Keksen und Tee hocken, mal raus Spazieren gehen, was Nettes kochen. Und vielleicht abends zum Dom gehen. Dort wird der heutige Nationalfeiertag Finnlands gefeiert und alle Finnen werden natürlich innbrünstig die Nationalhymne trällern. Das mag ich, denn es ist so schön bewegend und so ganz undeutsch.

Der Blick aus dem Küchenfenster.

Sonntag, 17. November 2013

Stadtkind

Seit zwei Wochen bin ich endlich wieder ein richtiges Stadtkind, denn Karri und ich sind zurück nach Helsinki gezogen. Und diesmal in keinen Außenbezirk, sondern direkt in die Innenstadt, nur ein paar Gehminuten von meinem Arbeitsplatz entfernt und mit Blick aufs Meer. Die Altbau-Wohnung ist super schön, die Lage so gut, dass ich es kaum glauben kann. Und das wichtigste für Helsinki: Sie ist bezahlbar. Bisher fühle ich mich sehr wohl, obwohl es noch jede Menge auszupacken, zu besorgen und zu installieren gibt. Aber wir müssen ja nichts überstürzen. 


Sonntag, 1. September 2013

Japan

Den Auftakt unseres diesjährigen Sommerurlaubs verbrachten Karri und ich in Japan. Ein langgehegter Traum, denn wir liebäugelten schon länger damit dorthin zu reisen. Nun hat es endlich geklappt, und ich muss sagen, ich habe mich selten so wohl gefühlt in einem anderen Land. Normalerweise überfällt mich nach einer Weile das Bedürfnis nach den gewohnten Dingen und vor allem im eigenen Bett zu schlafen. Diesmal nicht ein bisschen, und dass obwohl ich eigentlich nicht unbedingt ein Hitzemensch bin, und uns dort der heißeste Sommer seit 60 Jahren über zwei Wochen lang pausenlos schwitzen ließ. 
Als eines der ersten Dinge fiel mir die unheimliche Hingabe auf, mit der sich die Einheimischen all ihren Tätigkeiten zuwenden. Und das scheinbar mit jedem Atemzug, nur um das Bestmögliche zu erreichen. Sei es eine Mutter, die ihre Söhne im Flugzeug ruhig, aber bestimmt zurechtweißt oder ein Restaurantkellner, der jeden seiner Gäste mit der gleichen Aufmerksamkeit und Präzision bewirtet. Das habe ich so noch nie erlebt.
Außerdem begeisterte mich die japanische Küche sehr, und ich hatte keine großen Probleme ohne europäische Produkte, wie Brot oder Käse zu leben. Eine Schüssel mit Reis und Uni (Seeigel), frisches Thunfisch Sashimi oder eine heiße Udon-Nudelsuppe mit Mochi (Reiskuchen) waren nur einige gute Gründe dafür. Es ist einfach eine komplett andere Esswelt, der ich mich kulinarisch kompromisslos hingeben kann - ganz im japanischen Sinne.
Eine Sache ist mir allerdings erst im Nachhinein so richtig bewusst geworden: die stets vorhandene Sicherheit, die einen in Japan umgibt. Man braucht sich wenig Sorgen darüber zu machen als Reisender abgezockt zu werden oder muss nicht ständig das noch vollständige Vorhandensein seiner Handtasche kontrollieren. Es ist einfach nicht nötig. Die Japaner sind z.B. berühmt für ihre täglichen Nickerchen in der Metro, bei denen sie mit der Tasche auf dem Schoß und dem Handy in der Hand einfach einschlafen. Jeder Taschendieb könnte ihnen mühelos alle Habseligkeiten abnehmen, aber dem ist nicht so. Das bedeutet eine unglaubliche Freiheit, die man sonst in vielen Teilen der Welt nicht genießen kann.

Osaka.

Izakaya-Hopping bis in die Morgenstunden.

Die Osaka Burg.

Sieht fast wie Köln aus.

Kushikatsu.

Shinsekai in Osaka.

Mit Reiko in Kyoto.

Spezialität aus Kyoto: Eingelegtes Gemüse.

Unsere liebste Bar in Osaka: Tako Tako King.

Kampai!

Kinkaku-ji - der goldene Tempel.

Fushimi Inari-taisha - der Inari-Schrein.

Kunst in Sapporo.

Himmlisches Frühstück im örtlichen Fischmarkt.

Blick über Sapporo.

Otaru.

Ein Sushimaster ganz zu unseren Diensten.

Ramen.

Tokyo.

Die Stadt bei Nacht. 

Spaziergang im Park.

Schirme gegen die gleißende Sonne.

Unterwegs mit Tsubasa und Kenta.

Kento und Erika - Ich mag die beiden einfach.

Algen und Thunfisch Sashimi.

Skytree, wir kommen.

Byebye Japan.

Sonntag, 11. August 2013

Aufwind


Ab morgen wird sich einiges ändern. Ich arbeite dann nicht mehr im Spielhaus Kerava, sondern im Kindergarten der Deutschen Evangelischen Gemeinde in Helsinki. Endlich ein neuer Job! Sicherlich habe ich irgendwann einmal verlauten lassen, dass ich recht unzufrieden bin mit meiner beruflichen Situation. Zwei Wochen vor dem Sommerurlaub packte mich dann zum wiederholten Male der Frust, so dass ich mich einfach drauflos bewarb - in deutschen wie englischen Kindergärten, einer internationalen Schule etc. Und siehe da, ich war zur richtigen Zeit frustriert, denn in Helsinki suchte man ab August händeringend eine neue Gruppenleitung für die Regenbogen-Vorschule, in der 5-jährige Kinder betreut werden, die im darauffolgenden Jahr in das zweite Jahr Vorschule gehen sollen. Im Prinzip ist es eine ganz normale Kindergartengruppe, in der schon etwas in Richtung Vorschule gearbeitet wird. Der einzige Haken ist ein zunächst befristeter Vertrag, da ich als Heilpädagogin natürlich offiziell in Finnland keine Vorschullehranerkennung habe, und ich  mich dementsprechend weiter fortbilden muss. Sobald ich das gemacht habe, wird mein Vertrag auf unbefristete Zeit verlängert. Die Arbeit verspricht in Richtung Teamarbeit und den eigenen Freiheiten viel mehr als meine vorherige Stelle. 11 Kinder werden in meiner Gruppe sein und ich bekomme sogar eine Jahrespraktikantin aus Deutschland im Anerkennungsjahr. Es gibt  bezahlten Urlaub von Anfang an, der an die Schulferienzeiten angeglichen ist. Das sind 11 Wochen im Jahr, und mehr Gehalt. Ausgehend von den Vorbedingungen konnte ich also bisher noch keine Problemzonen feststellen. Was soll ich sagen. Ich freue mich einfach total und kann es immer noch gar nicht richtig fassen. Das fühlt sich fast so an wie ein Lottogewinn, denn auf der Karriereleiter - wenn es denn hier eine für mich gibt - bin ich definitiv ein Stückchen hochgeklettert. Vor allem wenn man bedenkt, wie rar in Finnland deutschsprachige Arbeitsstellen gesät sind. Und das ist nicht als Vorwurf gemeint, sondern einfach Tatsache. Wünscht mir Glück für die erste Woche!

Samstag, 22. Juni 2013

Danke

Da ist es mir einfach so herausgerutscht. Das "Danke". Vielleicht, weil ich gerade in ein deutschsprachiges Buch vertieft war, und nur kurz aufsah, um in den Bus hinein zu hüpfen. Wer weiß. Und der junge Mann, der mir netterweise den Vortritt in den Bus gelassen hat, konnte sich - genau wie ich selbst - ein Schmunzeln nicht verkneifen. Sonst ist mir das bisher nur andersherum passiert. Das mir nämlich in Deutschland "Anteeks" und "Kiitos" schneller über die Lippen kommen als "Entschuldigung" und "Danke". Ist schon interessant wie sehr sich manche Dinge einprägen. Zumal viele Finnen nicht gerade das beste Beispiel eines höflichen oder mit tadellosen Manieren bestücktes Völkchen sind. Es kommt leider viel öfter vor, das mir jemand geradezu vor die Füße rotzt oder recht übel vor sich hinflucht, als dass mir ein Mann die Tür aufhält. Darüber hinaus fällt den meisten Finnen eine angebrachte Entschuldigung beizeiten ziemlich schwer. Zum Beispiel bekommt man beim Anrempler in der Bahn vielleicht noch ein schlichtes "Oho" zu hören oder einfach gar nichts. Trotzdem will ich nicht ungerecht werden, denn es gibt mehr als eine Handvoll Gegenbeispiele. Meine Fixierung auf die finnischen Höflichkeiteswörter rührt dennoch eher aus meiner deutschen Herkunft her. Und mein "Danke" in Finnland war wohl nur eine kleine heimatliche Verirrung.  

Flitterwochen

Erholen konnten wir uns wunderbar im Süden Deutschlands. Erst verweilten wir im beschaulichen Baden-Baden, und anschlie ß end verbracht...